Natürlich ist man geladen, wenn man um fast 3 Stunden versetzt wird.
SEHR geladen sogar.
Da hilft auch ein "Ich dachte , wir sehn uns erst um 1!" nichts.
Und ich kann eine gewisse Genugtuung nicht leugnen, als ich das zerknirschte Gesicht in der Türe sehe.
Weiss ist er, käseweiss.
Ich frage ihn, ob es ihm gut geht und möchte sagen, ach komm, SO schlimm ist das nun auch wieder nicht, denn er ist wirklich erschreckend weiss, fast schon transparent ist sie, seine Gesichtshaut, aber er kommt mir zuvor und beginnt zu weinen und sagt:" Ich habe einen Freund verloren, am Wochenende."
Die Kugel schoss durch die Windschutzscheibe direkt in den Hals.
Fehlgeleitet, von einer Jagd im angrenzenden Wald.
Die Freunde im Auto konnten ihm nicht helfen.
Er ist verblutet.
Und ich komme mir plötzlich so mies vor.
Ich, mit meinem albernen angeknacksten Zuspätkommego.
Und seit nunmehr 9 Monaten freue ich mich doch tatsächlich tagtäglich, in meine eigenen 4 Wände zurückzukommen, so sehr wie davor seit Jahren nicht mehr.
Es herrscht Freude im Hause Larousse, jeden Tag ein kleines Stück mehr (o;
EDIT und Müdigkeit. Aber das ist kausal. Und gut so.
Mein Kopf brummt.
Was nicht allein am exzessiven socialising dieser Woche liegen kann.
Nein.
Schliesslich war ich gestern brav.
Mehr als das - ich habe sogar einer Einladung entsagt.
ICH!
Gut - es war mir rein fahrtechnisch gesehen auch nicht möglich, das larouss'sche Camp zu verlassen.
Ich hatte mir sowas schon gedacht, beim Nachhausekommen am spätesten Donnerstagabend. Schliesslich ist es in der Regel eher KEIN gutes Zeichen, wenn einem auf der Haupstrasse Gullideckel entgegengeschwommen kommen. Und das Gequatsche um 7 Uhr morgens vor meinem Fenster hätte mich eindeutig in höhere Alarmbereitschaft versetzen müssen. Wenn mein Kopf da nicht schon gebrummt hätte. In einer Strasse, in der NIE gesprochen wird, und schon gar nicht vor meinem Fenster, allein schon in Ermangelung eines Bürgersteiges, ist das gesprochene Wort mehrerer Menschen um diese Zeit dann doch ein eher beunruhigendes Ereignis.
Aber das erklärt noch immer nicht meinen Kopf.
Ich sollte vielleicht mal desintoxiieren.
Schaden kann es nicht.
Hm.
Morgen.
Eigentlich lüge ich ja äusserst ungerne.
Ausser vielleicht, um nicht die Wahrheit zu sagen.
Lügen erfordert ein zeimlich gutes Gedächtnis. Und das habe ich nicht.
Aus diesem Grund fallen erfundene Lügengeschichten für mich schon von vorneherein weg. Ich bin einfach nicht in der Lage, eine erfundendene Handlung im Kleinhirn abzuspeichern, ich kann mir ja Namen schon kaum merken, wie sollte es da mit Erfundenem funktionieren!
Da ich zu allem Überfluss auch noch schon beim Gedanken an eine Lüge in einer Nanosekunde erröte - nein, Lügen ist nicht meins.
Allerdings ist die Wahrheit manchmal einfach zu viel schmerzhaft ist für das Gegenüber.
In diesem Fall gehe ich dann auf das Umschiffen der Wahrheit über.
Dann wird die Wahrheit politisch korrekt in kleinsten, noch verdaulichen Häppchen verabreicht.
Wenn man allerdings zu lange um die Wahrheit herumschifft, entwickelt sich irgendwann ein Sog, welcher die Umschiffung einsaugt und nur die Wahrheit zurücklässt, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit.
Und damit muss man erst mal umgehen können.
Mit meiner subjektiven Wahrheit.
Larousse arbeitet zZ die vergangenen Monat auf.
Das geht auch angebrochen.
Interessant, wie sich in so kurzer Zeit so ein Leben so verändern kann.
So.
Interessant auch, dass die Aussenwelt von Getrennten zu verlangen scheint, sich nur noch hasserfüllt entgegenzutreten. Dass sie hochgradig irritiert dreinblickt, wenn die Frischgetrennten sich am gemeinsamen Tisch plus Brut amüsieren wie Bolle.
Und gut zu spüren, das trotz allem alles richtig war.
Leise Zweifel sind vorher schliesslich immer.
Natürlich ist nicht zu verleugnen, dass man zwischenzeitlich durch die Welt fliegt wie ein herumtänzelndes Neutron, mal hier andockt und mal dort, irgendwie trotz allem auf der Suche, und trotzdem hat man ja eigentlich schon gefunden: Freunde, die einem helfend die Hand reichen, die einem versprachen, da zu sein und das auch sind, in guten wie in schlechten Zeiten, ganz ohne Unterschrift, ganz freiwillig und ganz aus dem Herzen.
Ich bin reich!
So eine gebrochene Rippe ist müssig.
Schliesslich kann man nichts machen.
Nichts dagegen und nichts dafür.
Auch wenn man im Grunde natürlich etwas dafür kann, bloss halt nicht machen, aber das ist ein anderes Thema.
Sogar mein Arzt meint, da kann man nichts machen.
Gut, er ist Gynäkologe und ich habe meine Zweifel, ob er mit seinem Teleskop ober wie auch immer seine Gerätschaft heisst meine Rippe sehen geschweige denn endoskopisch hat untersuchen können, aber immerhin hat er ein Dr. vor seinem Namen an der Türklingel stehen somit die Plicht zu wissen, wovon er redet.
Im Gegensatz zu mir.
Aber auch das ist ein anderes Thema.
"Mit röntgen 4 Wochen ruhen, ohne röngten einen Monat keine Anstrengung!"
Zur Beruhigung ist Larousse dann erst mal in die Stadt. Schuhe kaufen. Soll ja helfen.
Aus den Schuhen wurde eine Lederjacke.
Ist näher an der Rippe.
Was tut man nicht alles für seine Genesung....