"Entschuldigen Sie, würden Sie mir bitte Ihren Platz überlassen, junger Mann?"
Der Mann blickt von seinem Handy auf und schaut die alte Dame ungläubig an. Der Bus ist bis auf den von ihm besetzten Platz menschenleer.
"Wissen Sie, das ist nämlich MEIN Platz."
Kopfschüttelnd steht er auf und nimmt auf der anderen Seite des Busses Platz.
"ich danke Ihnen!" sagt die alte Dame und setzt sich glücklich lächelnd auf Ihren Stammplatz.
Es braucht manchmal halt nicht viel, um die Welt in Ordnung zu finden.
Und dann ist da diese neue Masseurin, nicht weit von hier, die mit ihren knapp 30 Jahren die Stimme einer alten Frau hat, Prothesenzischeln inklusive, und ich spiele bei jedem Besuch das Spiel Augen auf = jung, Augen zu = alt, was sich entzückend verwirrend auf mein Hirn auswirkt, da ich mir zeitgleich vorzustellen versuche, wie sie wohl aussehen wird, in 50 Jahren, wenn Ihr Körper sich ihrer Stimme endlich angepasst haben wird.
Und dann giften wir uns im Auto an und ich denke einen Augenblick tatsächlich daran, die Krallen auszufahren, in Richtung seiner Augen, aber Kind n°1 sitzt hinter uns und lässt schweigend sein Unwohlsein in den Raum fliessen während er weitergiftet und mir wie gewohnt seine Probleme subkutan unterzuschieben versucht, bis tief ins Fleisch der larouss'schen Seele, und ich weigere mich, wieder die Schuldige zu spielen für Dinge, auf die ich nicht den geringsten Einfluss habe und lasse seine Wut ins Nichts hinein sprudeln und versickern und irgendwann hört er einfach auf, endlich, und die ganze Zeit fliesst Mick Hucknalls Stimme durch die Lautsprecher und ich schreie innerlich HÖR DOCH NUR EIN EINZIGES MAL AUF DEN TEXT, MANN!
Zur allgemeinen Aufwertung des Larousschen Egos kann ich mir Folgendes grad nicht verkneifen:
Happy birthday to me, happy birthday to me, happy birthday liebe larouhousse, happy birthday to me!
Im Ermangelung blasbarer Kerzen wünsche ich mir an dieser Stelle, dass all meine Leser an einem Tag Ihres Lebens das Glück empfinden können, welches ich nach wiedererworbener Freiheit empfinde, und dass Sie in dem Fall weniger pathetisch und grossspurig damit umgehen werden! Ich darf das heute, pathetisieren, schliesslich ist dies heute mein Bestimmertag!! Schätzen Sie sich also glücklich, nur diesen virtuellen Raum mit mir zu teilen - und nicht meine neuen 4 Wände...
Bei der Nachricht von der Trennung bricht die Nachbarin, die wir eher aus der Distanz kennen, in Tränen aus.
"Du brauchst deswegen nicht zu weinen, es ist in Ordnung und das beste für alle!" versuche ich sie zu trösten."
"Es ist nicht die Trennung," schnieft sie, "aber wieso musst gerade DU gehen, und nicht er?!"
Hm. Nette Menschen, um mich herum, irgendwie.
Hatte ich erwähnt, dass ich tatsächlich beginne, Montage zu mögen? Montage können einem Dinge bringen, von denen man vergessen hatte, dass es sie gibt.
Menschen zum Beispiel. Menschen, die man über 20 sehr viele Jahre weder gesehen noch gerochen geschweige denn gesprochen hat, an die man im Grund eschon überhaupt nicht mehr dachte, die in den wabernden Nebeln der Vergangenheit verschwunden waren und plötzlich wieder vor einem stehen, in Fleisch und Blut, und man knüpft einfach da an, wo man in den 90ern aufgehört hat, und es fühlt sich völlig normal an. Und gut.
Wie das immer so ist nach grossen Entscheidungen frage ich mich inzwischen, wie ich diese Entscheidung so lange habe hinauszögern können. Welcher Teufel hat mich geritten, immer wieder den Kopf einzuziehen und es um des lieben Frieden willen weiterlaufen zu lassen, obwohl der Frieden schlussendlich ja gar kein Frieden war, noch nicht mal Waffenstillstand, nein, er war pure Stagnation, noch dazu farblos, und das über Jahre, graue Jahre ohne Schillern, ohne BlingBling, was Larousse für's Überleben braucht wie andere Sauerstoff. Emotionales Geschillere, seelisches Grossraumatmen ohne dieses Gefühl der Enge und der selbstverleumderischen Rücksichtnahme. Paralysiert, wie das Kaninchen vor der Schlange. Naja, sehen wir es wie Siddharta - der Weg ist das Ziel, und ich hätte meine Entscheidung eigentlich auch nicht früher treffen können, ohne sie nicht im Anschluss immer wieder in Frage zu stellen, ob das wirklich richtig war, was jetzt nicht der Fall ist, im Gegenteil. Und insofern ist gerade alles sehr rund und gut und schlüssig. 2010 eben. Und es ist erst MÄRZ...!
Und wenn man dann anfängt, die freundschaftlichen Mailboxen mit Kettenmails über Rezeptsammlungsinhalten zu verpesten, ist man dem Zustand völliger Verblödung Entspanntheit schon ziemlich nahe.
Herrlich (o;
Ich frage mich ja seit Jahren, wer sich diese Art von Sprüchen wie diesen Frühervogelfrisstwurm-Spruch ausdenkt - ekliger geht nicht, igitt, und dann fällt er mir auch noch aus dem Gedächtnis zu einer Uhrzeit, zu der ich mich noch nicht mal an meinen Namen erinnere. Für solche Art von Sprüchen hab ich eindeutig zu viel Kopfkino, was wohl nur von Vorteil ist, will man auf jegliche Art von Lebensmitteln vor 12 Uhr verzichten.
Ich brauch jetzt erst mal einen Kaffee...